Brutaler Angriff auf Gerberstraße

In der Nacht vom 8.03. zum 09.03. gab es in Weimar einen der brutalsten Angriffe auf das soziokulturelle Zentrum Gerberstraße 3 seit den 90er Jahren. Zwischen 2:00 und 3:00 Uhr versuchten ca. 20 mit Knüppeln, Teleskopschlagstöcken und Zaunslatten bewaffnete Neonazis in die Gerberstraße einzudringen und bewarfen die Häuser und anwesende Personen mit Steinen und Flaschen. Dabei wurden mehrere Personen leicht und zwei Personen gefährlich verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die sofortige Reaktion der Gäste und Bewohner_innen konnte das Treiben nach ca. 20 Minuten beenden und die Nazis schließlich aus dem direkten Umfeld der Gerberstraße vertreiben.

Bereits gegen 2:00 Uhr wurde deutlich, dass sich auffällig viele Nazis in der Innenstadt bewegten. Kurze Zeit später bewegte sich ein Mob von ca. 20 Nazis aus Richtung des Atriums auf auf die Gerberstraße zu, brüllten lautstark Drohungen und rissen schließlich Zaunslatten aus dem Gartenzaun der Gerberstraße 1, woraufhin in der Kneipe der Gerber 3 der Hausalarm ausgelöst, die Türen geschlossen und die Polizei alarmiert wurde. Daraufhin bewarfen die Nazis beide Häuser mit Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen, wodurch unter Anderem ein Fenster beschädigt wurde. Als die Nazis versuchten die Türen einzurammen begannen sich die Besucher_innen mit dem Werfen von Flaschen zu wehren und begaben sich schließlich geschlossen vor die Tür. Sofort begannen die Nazis diese Personen mit Teleskopschlagstöcken, Totschlägern und Zaunslatten anzugreifen. Dabei wurden zwei Personen von mehreren Nazis bewusstlos geschlagen, einer erlitt eine Platzwunde am Auge, mehrere Blessuren und eine schwere Gehirnerschütterung, der andere eine Schädelprellung. Beide mussten im Krankenhaus behandelt werden. Durch das schnelle und entschlossene Handeln der Anwesenden konnten die Nazis schließlich in die Flucht geschlagen werden, wobei es dennoch immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen kam. Die Nazis verteilten sich jedoch nicht, sondern sammelten sich wieder direkt vor dem neuen Polizeirevier um sich, nun zu ca dreißigst, erneut in Richtung Gerberstraße zu bewegen. Als sie sich auf der Höhe des Brühls befanden, traf schließlich die Polizei ein: eine halbe Stunde nachdem sie alarmiert worden war. Die Polizei konnte von ca. 6 Nazis Personalien aufnehmen, ließ diese daraufhin jedoch wieder laufen. Nach dem Angriff versammelten sich einige der Angreifer in der Ebertstraße, wo sie sich vermutlich auch vor dem Angriff versammelt hatten. Während des Angriffs wurden mehrere bekannte Nazis aus Apolda erkannt.

Wir kritisieren scharf und halten es für einen Skandal, dass am Ende eine der Personen, die zuvor von den Neonazis bewusstlos geschlagen worden war, noch im Krankenwagen von der Polizei verhört wurde als hätte es sich um den eigentlichen Täter gehandelt.

Während der ganzen Nacht blieben auffällig viele Nazis in der Innenstadt präsent. Gegen 4:00 Uhr kam es zu einem weiteren Übergriff in der Nähe der Gerberstraße. Auf der Höhe der Sparkasse wurde ein 17-jähriges Mädchen, welches auf dem Nachhauseweg von der Gerberstraße war von vier Nazis vom Fahrrad getreten und beschimpft.

Dieser erneute Angriff von Neonazis auf das autonome Zentrum Gerberstraße reiht sich in die Ereignisse der letzten Wochen und Monate ein. Bereits im Dezember kam es zu einem versuchten Angriff und beinahe jedes Wochenende kam es zu Übergriffen auf linke und alternative Jugendliche. Auch am vergangenen Freitag wurden am hellichten Tag einige Punks von Nazis mit Flaschen beworfen und verfolgt. Die rechte Gewalt scheint in Weimar langsam zum Normalzustand zu werden und beschränkt sich längst nicht mehr auf Problembezirke wie Weimar West oder Schöndorf.

Angesichts dieser Lage ist es von großer Bedeutung Nazistrukturen offenzulegen und zu bekämpfen. So gilt es unter Anderem den Naziaufmarsch am 5. April zu verhindern. Auch an diesem Wochenende wird mit Übergriffen zu rechnen sein. Weiterhin bedarf es großer Solidarität um der Nazigewalt etwas entgegensetzen zu können.